03.08.2010
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Auch im Stall: Energiekonto sorgt für Durchblick

Agrargenossenschaft Forst schafft Transparenz beim Stromverbrauch

300.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbraucht die Agrargenossenschaft Forst derzeit. Trotz dieses hohen Energiebedarfs bewegte sich der landwirtschaftliche Betrieb in Sachen Stromverbrauch bislang jedoch im Blindflug. Lediglich einmal monatlich wurde über die Rechnung ersichtlich, wie sich die Kosten entwickeln. Wann und wo ungewollt zuviel Strom verbraucht wurde, konnte kaum nachvollzogen werden. Seit Ende letzten Jahres ist das anders: Denn das Energiekonto des Internetportals meine-energie.de sorgt jetzt in Forst für Transparenz.

Die Agrargenossenschaft Forst gehört zu den mittelgroßen landwirtschaftlichen Betrieben in Ostdeutschland. Mit rund 50 Mitarbeitern bewirtschaftet sie 2.000 Hektar Nutzfläche, in den Ställen stehen 2.000 Rinder, davon 500 Milchkühe. Bei einem Betrieb dieser Größe summieren sich die Energiekosten schnell. Dabei machen vor allem auch ungewollte Lastspitzen Probleme, denn diese schlagen in Forst direkt auf den Jahrespreis durch. „Natürlich haben wir uns über die hohen Stromrechnungen regelmäßig geärgert, besonders wenn es zu ungewollten Leistungsspitzen gekommen ist. Aber beim Ärgern blieb es dann auch. Denn wie und wann es zu diesen Leistungsspitzen gekommen ist, konnten wir bisher nicht nachvollziehen“, beschreibt Egon Rattei, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Forst, die bisherige Situation. Auch ganz allgemein spielte das Thema Energie bislang in der Landwirtschaft eine eher untergeordnete Rolle. „Vielleicht liegt es an der hohen Arbeitsbelastung oder daran, dass wir meist unter freiem Himmel arbeiten. Aber als Landwirt schaut man weniger auf den Stromverbrauch. Da spielen andere Produktionskosten oft eine wichtigere Rolle, wie beispielsweise die Futterkosten. Angesichts der ständig steigenden Energiepreise besteht jedoch auch hier dringender Handlungsbedarf“, so Rattei.

Das Verbrauchsverhalten transparent machen

Die Gelegenheit, aktiv zu werden, ergab sich Ende 2009. Über einen befreundeten Berater wurde Rattei auf das Internetportal meine-energie.de aufmerksam. Das Konzept dieses Portals: In einem Energiekonto werden sämtliche Verbrauchsdaten zusammengefasst und über Internet mit einem ganz normalen Webbrowser zur Verfügung gestellt. Und das immer aktuell, denn die Daten vom Vortag werden täglich beim zuständigen Netzbetreiber abgefragt und automatisch importiert, müssen also nicht mühsam manuell erfasst und gepflegt werden. Aber nicht nur die täglichen Verbrauchskurven werden über das Portal visualisiert. Auch die Lieferverträge können hinterlegt werden. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Verbrauchskurven darstellen, sondern gleichzeitig auch die damit verbundenen Kosten. „Das Energiekonto überzeugte mich auf Anhieb. Denn mit diesem Instrument konnten wir erstmals tatsächlich nachvollziehen, wie sich der Energieverbrauch über den Tag hinweg entwickelt und so gezielt auf unser Verbrauchsverhalten Einfluss nehmen“, begründet Rattei die Entscheidung für die Nutzung des Internetportals. Allein schon die Visualisierung des Verbrauchs war für ihn ein echtes Aha-Erlebnis: „Das System motiviert durch seine Möglichkeiten dazu, sich sehr intensiv mit dem Energieverbrauch zu beschäftigen. Man kann dann mit diesen Informationen auch direkt auf die Mitarbeiter zugehen und ihnen deutlich machen, wie sich das Handeln eines jeden auf den Gesamtverbrauch auswirkt. Auch der Erfolg von Verhaltensänderungen kann sofort nachvollzogen werden.“

Energie effizienter und intelligenter einsetzen

Der Stromliefervertrag der Agrargenossenschaft Forst ist leistungsbasiert. Das bedeutet, dass die Kosten letztlich durch die Lastspitzen, also den höchsten gemessenen Verbrauch, bestimmt werden. Um die Kosten zu senken, müssen demnach die Lastspitzen auf ein Mindestmaß gesenkt werden. Doch das klingt leichter, als es ist. Denn in einem landwirtschaftlichen Betrieb gibt es zahlreiche elektrische Anlagen, die unabhängig voneinander betrieben werden. Dazu gehören die Melkanlage ebenso wie die Lüftungsanlagen in den Ställen oder etwa die Güllepumpen. Früher kam es beispielsweise regelmäßig vor, dass während der Warmwasserbereitung für die Reinigung der Melkanlage die Güllepumpen ansprangen – und schon war es passiert. Aber auch im Sommer bestand die Gefahr, dass der Stromverbrauch plötzlich nach oben schnellt: Etwa wenn die Lüftung in den Ställen auf Hochtouren läuft und dann gleichzeitig die Getreidelüftung angeschaltet wird, weil die eingebrachte Ernte noch feucht ist. „Das haben wir vor Einführung des Energiekontos kaum nachvollziehen können. Denn aus den Rechnungsdaten konnten wir nur ersehen, dass es ungewollte Lastspitzen gab. Heute können wir dagegen genau rekonstruieren, wann und wo es dazu gekommen ist“, beschreibt Egon Rattei die Vorteile. Nun kann durch eine Steuerung der Abläufe im Betrieb die Entstehung von ungewollten Lastspitzen vielfach von vornherein vermieden werden. Beispielsweise indem festgelegt wird, dass in den Zeiten, in denen die Melkanlage läuft und gereinigt wird, keine anderen großen Verbraucher angeschaltet werden dürfen. Aber auch andere Optimierungspotenziale können erkannt und ausgeschöpft werden, beispielsweise durch die Installation energieeffizienter Anlagen. „Da wir jetzt nicht nur den Verbrauch, sondern gleichzeitig auch die Kosten sehen, ist es natürlich leichter auszurechnen, was einzelne Maßnahmen bewirken. So würden wir heute keinesfalls auf eine elektronische Steuerung der Lüftungsanlagen verzichten, wie wir das vor ein paar Jahren wegen der höheren Anschaffungskosten getan haben“, so Rattei.

Informationsbasis für bessere Lieferverträge

Das Energiekonto bietet der Agrargenossenschaft Forst jetzt auch eine Basis, sich mit Beratern auf einer Augehöhe zu unterhalten. Nicht nur wenn es um Investitionen in technische Anlagen geht, sondern auch bei der Energiebeschaffung. Denn durch die Vertragsverwaltung des Energiekontos ist es möglich, unterschiedliche Lieferverträge monetär zu bewerten. Damit werden diese Verträge vergleichbar, auch wenn sie völlig unterschiedlich gestaltet sind. „Es geht uns dabei nicht unbedingt darum, den günstigsten Lieferanten zu finden. Aber nachdem die Energiekosten einen immer größeren Anteil an den Produktionskosten einnehmen, müssen wir natürlich über die Konditionen nachdenken. Dabei liefert uns das Energiekonto eine ausgezeichnete Basis, um mit potenziellen Lieferanten verhandeln zu können – mit neuen ebenso wie mit unserem Stadtwerk hier vor Ort“, fasst Egon Rattei zusammen. Für ihn ist das Energiekonto deswegen inzwischen ein Werkzeug, mit dem er das Thema Energie im landwirtschaftlichen Betrieb ganzheitlich angehen kann und das er deswegen auch anderen Landwirten ans Herz legen würde. „Es ist ja nicht nur ein politisches Ziel, künftig intelligenter und nachhaltiger mit Energie umzugehen. Denn der Klimawandel bedroht gerade unsere Geschäftsgrundlagen. Schon deswegen ist ein Erfahrungsaustausch auf diesem Gebiet unverzichtbar – ganz abgesehen von den Einsparungspotenzialen, die eine Verbesserung der Effizienz oder der Einkaufskonditionen mit sich bringt“, so sein Fazit.

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