Unsere Mission im Energiemarkt

Das Recht des Messens und Wiegens beschäftigt den Handel nicht erst seit dem Mittelalter, das mit sehr unterschiedlichen Maßen besondere Anforderungen hervor brachte. Da Energie aber nicht in Stück gezählt wird und auch nicht mit einer Waage gewogen werden kann, stellen sich besondere Anforderungen. Auch dass zum Zeitpunkt des Leistungsüberganges die Übernahme nicht sofort in gegenseitiger Einvernahme erfolgt kann, ist eine besondere Herausforderung.

Energie ist im Gegensatz zu Luft und Wasser keine primäre natürliche Resource. Ob Erdgas oder Strom, beide Energiearten müssen durch aufwändige Prozesse ersteinmal erzeugt und verteilt werden. Damit ist Energie ein knappes Gut, mit dem sorgsam umgegangen werden muss.

Meine-Energie entwickelt eine Technologie für den digitalen Energiemarkt. Ziel ist es, dass Energie, egal ob Erdgas oder Strom, für jedermann ein handhabbares Gut wird, mit dem bewusst umgegangen werden kann."Wir rechnen Energie in Euro und nicht nur in Kilowattstunden" ist unsere Leitlinie, um die technische Welt nahtlos mit der kommerziellen Seite zu verbinden.

2008 begann die Entwicklung einer Basistechnologie zur schnellen Verarbeitung und Speicherung von Verbrauchsdaten.
Hinzu kamen Werkzeuge und Methoden, um Verträge, Produkte und sämtliche Verknüpfungen herstellen zu können, die für Energieprodukte von Bedeutung sind.

Diese Basisplatte bildet seit 2011 die Grundlage für den Aufbau von Mehrwertdiensten für Energiekunden.

Ziel war und ist es, dass mindestens 25 Prozent des gesamten Marktes in einem System abgebildet werden können. Hierzu haben wir zahlreiche Tests durchgeführt und drei unterschiedliche technologische Ansätze bewertet.

Die Ergebnisse sind so gut, dass wir bis heute einige der größten Energiekunden Deutschlands auf unserem System betreuen.

Pro Tag verarbeiten wir mehrere Tausend Messdatentransaktionen und mehr als 3.000 Rechnungsbelege pro Monat.

"Energie muss für jeden Kunden so einfach werden wie jedes andere Produkt."

Wie alle begann

Verbrauch ohne Wert

Es war ein Tag im Früjahr 1999, als ich den Hinweis bekam, doch mal auf den Energiemarkt zu schauen. Dort würden sich große Dingen anbahnen, da es ein neues Gesetz zur Öffnung des Marktes und zu Schaffung eines europäischen Binnenmarktes gibt. Deswegen würden einige Unternehmen bereits Steine sammeln und nur darauf warten, dass der erste anfängt, einen zu werfen. Ich habe mir eher einen Haufen Mikadostäbchen vorgestellt, bei dem jeder versuchen würde, einen Stab herauszunehmen, ohne das die anderen es bemerken. Als dann eine Firma Ares als erste in den Ring trat und roten Strom im Mediamarkt verkaufte, ging der neu entstehende Energiemarkt dann aber doch zum Steinewerfen über.

Als Techniker habe ich nur an die ca. 55 Millionen Zähler gedacht, von denen einmal pro Jahr ein Verbrauchswert kommt. Wie soll damit ein Markt funktionieren, der Energie pro Stunde oder gar pro Viertelstunde handelt?
Diese Frage stellten sich die Steinewerfer auf den zügig aufgebauten Barrikaden keineswegs. Da wurden statt dessen immer größere Marketinggeschütze aufgefahren. Im Hinterland der Versorger vernahm man hier und da leichten Brandgeruch und das Damoklesschwert pendelte in Form der Regelenergiekosten über den Köpfen. Dennoch herrschte in den ersten Jahren des liberalisierten Marktes wahre Wildwest-Stimmung. Und nur wenige hörten die Signale, dass sich die Lage auch mal ändern könnte. Regelenergie war eher ein Thema für Risikomanager und fast eine Glaubensfrage.

Wie sollte Regelenergie ohne Messwerte funktinionieren? Ich fühlte mich wie ein einsamer Rufer im Walde. Die einen rüsteten mit Prognosemodellen auf, um keineswegs Schuld an etwaigen teuren Verbrauchsabweichungen zu sein. Andere igrnorierten das Thema vollkommen. Darauf hin wurde ein Preis für die erste akzeptiere Regelenergieabrechnung ausgesetzt. 

Nach ca. zwei Jahren erklärten dann die großen Regelzonenbetreiber, dass es keine rückwirkende Regelnergieabrechnung geben werden. Glück für all diejenigen, denen dieses Thema bisher ohnehin egal war.

Wie konnten die ersten Marktteilnehmer überhaupt überleben, wenn von allen Seiten Steine geworfen wurden? Es gab drei wesentliche Optionen, um Geld in der Kasse zu halten:
1.) nicht berechnete Regelenergie, da es keine brauchbaren Messwerte gab.
2.) nicht gezahlte Netzentgelte, da viele Versorger mit dem Stellen von korrekten Netzrechnungen überfordert waren.
3.) Spekulieren im Großhandel, was zumindest bis zum Crash 2008 halbwegs sicher schien.

Eines wurde immer klarer: Dieser Markt funktioniert nur dann, wenn es verlässliche und aktuelle Verbrauchsdaten gibt, die jedem Marktteilnehmer zugänglich sind.

Markt ohne Kunden

Aus den wilden Anfangsjahren heraus entwickelte sich langsam aber sicher die Erkenntnis, dass es Regeln braucht, damit ein Markt mit über 800 Netzen und mehr als 50 Millionen Kunden funktionieren kann.

Die Branchenverbände entwickelten Prozessmodelle und auch sonst reichlich fragwürdige Dinge, die völlig offensichtlich eher durch die Möglichkeiten der eingesetzten Abrechnungsprogramme als durch ein pragmatisches Herangehen geprägt waren. Auf Treffen von Netzbetreibern und Netznutzern ging es bisweilen wie auf einem Basar zu: "Gebt Ihr uns die Anmeldung im Zeitfenster statt zu einem festen Termin, dann können wir die Meldefrist von sechs Wochen akzeptieren", so wurde zwischen Suppe und Brot verhandelt.

Einzig der Kunde selbst, also die natürliche oder juristische Person, der man am Ende eines Monats oder Jahres eine Rechnung in der Hoffung auf Bezahlung stellt, kam in keinem einzigen Prozessdiagramm vor. Alle Prozesse beginnen oder enden am Zähler, der Kunde spielt dabei einfach keine Rolle.

Das Kundenbild des Energiemarktes ist durch folgende Narrative geprägt:

  1. Kunden lassen sich nur mit massiver Werbung gewinnen
  2. Einzig und allein der Preis entscheidet
  3. Jeder Kunde ist ein potentieller Zahlungsausfall
  4. Wechselkunden sind Schlechtzahler, sonst würden sie ja nicht wechseln

Und was ist mit Mehrwerten für den Kunden?

Alle Lieferanten, mit denen ich sprechen konnte, waren der festen Überzeugung, dass Mehrwerte kostenlos bereitgestellt werden müssen.

Na dann viel Erfolg!

Digitalisierung mit der roten Laterne

Es gab im frühen deutschen Energiemarkt immer wieder Phasen ausländischen Einflusses. So gab es eine amerikanische Phase, in der sich US-Energieversorger in Deutschland die Klinke in die Hand gaben. Aber deren Marktvorstellungen waren gänzlich inkompatibel mit den deutschen Verhältnissen. Dieser Phase folgte eine skandinavische Phase, weil man festgestellt hatte, dass der Energiemarkt in Skandinavien schon viel früher geöffnet worden war. Jeder der etwas auf sich hielt, suchte nach Software aus Skandinavien. Unschön war nur, dass der skandinavische Markt völlig anders funktioniert und auch deutlich weniger Marktteilnehmern umfasst. Dort passen alle Marktteilnehmern an den sprichwörtlichen einen runden Tisch. Dies ist für ca. 1.000 Netzbetreiber und Lieferanten in Deutschland nicht ansatzweise vorstellbar.

Die recht kurze britische Phase ist nicht der Rede wert. Diese gehört in eine allgemeine Expansionsphase, als die großen deutschen Versorger ihr Zukunft und ihr Glück in anderen Märkten suchten. Immer nach dem Motto "bevor wir in eigene Infrastruktur investieren, kaufen wir lieber Unternehmen in aller Welt ein". Die Ticker der Aktienkurse in der Empfangsbereichen der Unternehmen quittierten diese Ansätze mit entsprechenden Kursentwicklungen.

Anfang der 2000er zeigte dann ausgerechnet Italien, wie Digitalisierung der Energie funktioniert. "Endlich Verbrauchsdaten!" war eine zu frühe Hoffnung für den deutschen Binnenmarkt. Wenn es in Italien funktioniert, dann wird es auch in Deutschland bald soweit sein, dachten alle. Das war so um 2005 der Fall.

Der deutschen Gründlichkeit sei Dank, sollte aber noch 15 Jahre dauern, bis jetzt endlich digitale Zähler ausgerollt werden.

2020 der Startschuss in das digitale Zeitalter

Als sich die Meine-Energie GmbH 2008 auf den Weg der Digitalisierung der Energie für Endkunden machte, war klar, dass es einge Zeit brauchen wird. Deshalb haben wir uns zunächst auf die vorhandenen elektronischen Zähler konzentriert, um ein neues Produkt in einen bestehenden Markt einzuführen. 2020 beginnt jetzt – mit nur drei Jahren Verzögerung – die Digitalisierung des deutschen Marktes für elektrische Energie.

Für den Gasmarkt hat der Gesetzgeber zunächst keine Fristen gesetzt.