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Energiebeschaffung: Wie ein Energiekonto die Industrie entlasten kann

13.02.2026
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Ein Fachartikel, der exklusiv in der Zeitschrift Technik+Einkauf in der Ausgabe 01/2026 erschienen ist.

Hier finden Sie die Originalveröffentlichung ...

Die Zeiten, in denen Industrieunternehmen ihre Stromversorgung mit einem einzigen Vollversorgungsvertrag und einem über das ganze Jahr konstanten Arbeitspreis absichern konnten, sind weitgehend vorbei. Wo früher der Lieferant auf Basis historischer Lastgänge einen festen Preis für ein oder zwei Jahre kalkulierte und „alles aus einer Hand“ lieferte, dominieren heute komplexe Beschaffungsportfolios aus mehreren Bausteinen. Für die Einkaufsabteilungen bedeutet das mehr Gestaltungsspielraum. Für Energiemanagement, Controlling und Buchhaltung jedoch einen deutlich höheren Aufwand. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Energiekonto im kaufmännischen Energiemanagement von Meine-Energie an.

Von der Vollversorgung zum Beschaffungsportfolio

Viele klassische Energieversorger scheuen inzwischen das Risiko großer Vollversorgungsverträge. Stattdessen übernehmen sie häufig nur noch Teilmengen, die in der Regel höchstens 20 bis 30 Prozent des Gesamtbedarfs ausmachen, und verweisen im Übrigen auf weitere Lieferanten oder den Einkauf über die Börse. Großabnehmer werden damit selbst zum Architekten ihres Beschaffungsportfolios. An die Stelle eines einzigen Vertrags treten strukturierte Produkte wie Bänder, Blöcke und Tranchen, ergänzt um Restmengen über den Spotmarkt und zunehmend auch Power Purchase Agreements (PPA) mit Wind- und Photovoltaikparks. Parallel dazu wächst der Anteil der Eigenversorgung, etwa über PV-Dach- und Freiflächenanlagen oder Blockheizkraftwerke.

Ideal ist hier die Konstellation eines bilanzkreisführenden Hauptlieferanten, wie er etwa bei der BMW Group im Einsatz ist. Er übernimmt das Bilanzkreismanagement als Dienstleistung und liefert selbst nur einen Teil der Energie. Weitere Lieferanten stellen strukturierte Produkte oder PPA-Mengen bereit, die zwar mengen- und fahrplanseitig an den Bilanzkreis gemeldet, kaufmännisch aber direkt zwischen Lieferant und Unternehmen abgerechnet werden. Das Ausfallrisiko für diese Teilmengen liegt somit bei den jeweiligen Lieferanten, die Verantwortung für die Deckung des Gesamtbedarfs und die Struktur des Beschaffungsportfolios jedoch beim Unternehmen selbst. Aus dessen Sicht entsteht damit ein vielschichtiges Geflecht von Verträgen, Fahrplänen, Preisen und Verantwortlichkeiten.

Komplexität im Tagesgeschäft

Mit der Veränderung der Beschaffungsmodelle steigt die Komplexität im Tagesgeschäft spürbar an. Wo früher jede Entnahmestelle eine eigene Lieferantenrechnung mit eindeutigem Preis hatte, werden Energiemengen heute zunächst portfolioweise beschafft und bilanziert. Erst im zweiten Schritt werden sie auf Werke, Kostenstellen oder Profitcenter verteilt.

Die Grundlage hierfür bilden Messdaten, die häufig im Viertelstundenraster über zahlreiche Standorte und Zählpunkte hinweg anfallen. Hinzu kommen Fahrpläne aus PPA-Verträgen und strukturierten Produkten, die stündlich oder viertelstündlich strukturiert sind und bei der Ermittlung der Restmengen für den Spotmarkt zwingend berücksichtigt werden müssen. Die Vorgehensweise folgt dabei stets dem gleichen Muster: Zunächst werden alle Verbrauchsdaten zusammengeführt, anschließend werden die vertraglich zugesagten PPA-Mengen und Strukturprodukte abgezogen. Aus der verbleibenden Restmenge ergeben sich die Spotmarktmengen und gegebenenfalls die entsprechende Ausgleichsenergie.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle relevanten Abrechnungsdaten zeitnah vorliegen. Bilanzkreisabrechnungen und Ausgleichsenergierechnungen treffen oft mit mehreren Wochen oder Monaten Verzögerung ein, obwohl Unternehmen bereits wenige Tage nach Monatsende wissen wollen, welche Energiekosten einem Standort zuzuordnen sind. Über das Energiekonto ist es hier möglich, mit vorläufigen Preisen und Mengen zu rechnen, die bereinigt werden, wenn die entsprechenden Rechnungen vorliegen. Ohne geeignete Systeme würde dies dagegen in einem aufwendigen Nebeneinander aus Excel-Listen, manuellen Berechnungen und Abstimmungsschleifen enden.

Das Energiekonto als Datendrehscheibe

Vor diesem Hintergrund fungiert das Energiekonto von Meine-Energie als zentrale Datendrehscheibe für alle energierelevanten Informationen. In der webbasierten Plattform laufen Verbrauchsdaten, Erzeugungsmengen, Vertragsspezifikationen und Kosteninformationen zusammen und werden in einer einheitlichen Struktur abgebildet. Messdaten aus intelligenten Messsystemen und Lastgangmessungen werden automatisiert importiert. Die verschiedenen Lieferverträge – von strukturierten Produkten über PPA bis hin zu Restmengen am Spotmarkt – werden mit ihren Preis- und Mengenlogiken im System hinterlegt.

Auf dieser Basis lässt sich auch die Rechnungsprüfung automatisieren. Das Energiekonto berechnet aus den im System hinterlegten Lastgängen und Vertragskonditionen, welche Kosten sich für bestimmte Zeiträume ergeben müssten, und stellt diese den eingehenden Lieferantenrechnungen gegenüber. Abweichungen in Mengen, Preisen oder Zuschlägen werden transparent, Fehler lassen sich systematisch identifizieren. Für Multisite-Unternehmen mit hunderten Zählpunkten ist dieser automatisierte Abgleich eine wesentliche Voraussetzung, um Energierechnungen verlässlich zu prüfen, ohne die personellen Ressourcen im Controlling massiv aufzustocken.

Ein weiterer Baustein ist die Möglichkeit, virtuelle Messstellen zu definieren, um auf diesem Wege auch die Eigenerzeugung und den -verbrauch quantifizieren zu können. So lassen sich beispielsweise Netzbezug und Eigenerzeugung einer Filiale zu einem virtuellen Gesamtverbrauch zusammenführen, auf den ein „Schattenvertrag“ gelegt wird. Dadurch wird sichtbar, was ein Standort bei vollständigem Netzbezug gekostet hätte, und welche Kosten tatsächlich bei der Kombination aus Netzbezug und Eigenversorgung anfallen. Die wirtschaftliche Wirkung von PV-Anlagen oder Blockheizkraftwerken wird so für das Controlling quantifizierbar, ohne dass physisch zusätzliche Zähler installiert werden müssen.

Unterstützung von Beschaffung und Controlling

Für den Energieeinkauf stellt das Energiekonto die benötigten Lastgänge und Verbrauchsprofile standortübergreifend bereit und ermöglicht es, historische Verläufe detailliert auszuwerten. Einkaufsstrategien lassen sich auf Basis belastbarer Daten entwickeln, etwa wenn es darum geht, den geeigneten Mix aus strukturierten Produkten, PPA-Quoten und Spotmarktanteilen zu finden oder das Risiko von Preisvolatilitäten zu bewerten. Die Zusammenführung aller relevanten Informationen in einem System stärkt die Verhandlungsposition des Einkaufs gegenüber Lieferanten und erleichtert die Bewertung verschiedener Beschaffungsoptionen.

Im operativen Geschäft unterstützt das Energiekonto das Portfolio- und Rechnungsmanagement. Die Ermittlung von Restmengen zum Spotmarkt erfolgt automatisiert, Rundungs- und Aggregationseffekte werden konsistent behandelt. Verschiedene Lieferanten und Verträge mit unterschiedlichen Preislogiken werden in der Plattform zusammengeführt, sodass jederzeit erkennbar ist, welche Kosten welchem Vertrag oder Produkt zuzuordnen sind. Dies erleichtert nicht nur die Kontrolle der Lieferantenabrechnungen, sondern bildet auch die Grundlage für interne Verrechnungsmodelle. Hier bietet das Energiekonto die Möglichkeit, Energiekosten verursachungsgerecht auf Standorte, Kostenstellen oder Profitcenter zu verteilen. Verteilungsschlüssel lassen sich nach Bedarf festlegen, etwa auf Basis von Verbrauchsdaten, Produktionsmengen oder Flächen. Standortverantwortliche können über Berichte nachvollziehen, wie sich Verbrauch und Kosten entwickeln, welche Effizienzmaßnahmen Wirkung zeigen und wo Handlungsbedarf besteht. Gleichzeitig stehen die Daten für externe Anforderungen bereit, etwa für Energiemanagementsysteme nach ISO 50001 oder für eine Energiebilanz, die wiederum die Grundlage für die Strom- oder Energiesteuererklärung gegenüber dem Hauptzollamt bildet.

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Unter dem Motto „Energie ist einfach“ bietet die Meine-Energie GmbH ein webbasiertes Komplettwerkzeug für das kaufmännische Energiemanagement. Es unterstützt vielfältige Prozesse wie das Energiecontrolling, die Erstellung von Energiebilanzen, das Verwalten von Kosten und Verbräuchen, die detaillierte Kosten- und Verbrauchsplanung, die Weiterverrechnung von Energiekosten, den Energieeinkauf sowie die Rechnungsprüfung. Zu den Kunden gehören Einzelhandelsketten wie die Müller Drogeriemärkte ebenso wie Industrieunternehmen, etwa die ZF Friedrichshafen AG. Weitere Zielbranchen sind das Logistikgewerbe, Hotel- und Gastronomieketten, Facility Management-Dienstleister sowie andere Unternehmen und Institutionen. Derzeit werden mehr als 17.000 gewerbliche Zählpunkte mit ihren Verträgen und mehr als 5 Terawattstunden Strom und Gas über meine-energie.de erfasst und verarbeitet.